Seit Anfang des Jahres haben wir eine neue Praktikantin im Kindergarten in Gambia. Bisher hat Nuriye in unserer Dentalstation mitgearbeitet und hierbei u.a. auch „Außeneinsätze“ in benachbarten Kindergärten durchgeführt. Heute hat uns ein kleiner Beitrag von ihr erreicht.
„Hallo ihr Lieben,
ich bin seit Anfang Januar im Kindergarten Wattenscheid in Gambia und helfe in der Dentalstation aus.
Meine langjährige Erfahrung als Zahnmedizinische Fachangestellte teile ich gerne mit meinen neuen Arbeitskollegen.
Es macht mir sehr viel Spass hier zu sein. Sowohl das gesamte Dentalteam, als auch alle Lehrer und Schüler sind sehr herzlich und haben mich liebevoll aufgenommen.
Meine Zeit hier ist eine unbezahlbare Erfahrung und ich bin glücklich hier sein zu dürfen.
Ich freue mich jetzt schon darauf, die Paten kennenzulernen, die im März zur Jubiläumsfeier kommen.
Durch die „Go out“ Veranstaltung an der EvH Bochum wurde mir die Möglichkeit nähergebracht, mein 70 tägiges Praktikum auch im Ausland zu absolvieren. Schon Jahre zuvor wollte ich für eine Weile ins Ausland gehen und jetzt sah ich meine Chance, dies in Angriff zu nehmen. Bei der Suche nach einem geeigneten Verein wies mich eine Bekannte auf den Kindergarten Wattenscheid in Gambia hin. Sofort nahm ich dort Kontakt auf und eine Woche später stand fest, dass ich in Gambia mein Praktikum absolvieren werde.
Dann standen viele Vorbereitungen an: Impfungen, Reisepass beantragen, Flüge buchen und das ein oder andere einkaufen (z.B. Moskitonetz, Mückenspray). Das Visum musste ich zum Glück erst in Gambia selbst nach 28 Tagen beantragen, was für weitere drei Monate ca. 40 Euro gekostet hat.
Am 05. März war es dann so weit: Morgens früh flog ich vom Flughafen Brüssel nach Banjul. Ich war super aufgeregt, freute mich aber auch gleichzeitig, das Abenteuer anzutreten.
In Afrika heil angekommen, empfing mich Hawa, die Kindergartenleiterin, ganz herzlich und wir fuhren zum Gästehaus, wo ich die nächsten vier Monate wohnte. Der extreme Temperaturunterschied in Deutschland von 10 Grad auf 26 Grad Celsius in Westafrika machte mir am Anfang zu schaffen. Die neue Umgebung war für mich in vielerlei Hinsicht ein Kulturschock. Die Tiere liefen frei auf den Straßen umher, die Leute rannten kreuz und quer über die Straße, die Autos fuhren entgegen der Richtung und alles war noch ziemlich fremd. Zunächst richtete ich mein neues Zuhause ein und ließ die ersten Eindrücke auf mich wirken. Die erste Nacht alleine in Afrika fiel dann recht schlaflos aus.
Am ersten Tag im Kindergarten vor den Klassenräumen kamen Kinder angerannt, fassten mich an und wollten meine Hand nehmen, ich wurde herzlich begrüßt und in Empfang genommen. Ich lernte die Lehrer und Angestellten kennen; alle kamen sehr offen und freundlich auf mich zu, was den Anfang für mich einfacher machte. In den ersten zwei Wochen hospitierte und half ich in der 2. Klasse und war dann die weiteren 12 Wochen in Klasse 1.
Ein klassischer Kindergartentag sah folgendermaßen aus:
Der Unterricht begann um 8:30 Uhr und endete um 13:30 Uhr mit Ausnahme des Freitags, da wurde der Kindergarten schon um 12 Uhr geschlossen. Montag und Freitag fand jeweils eine Hauptversammlung vor dem Unterricht statt. Dort wurde zusammen gebetet und über die neusten Informationen in Kenntnis gesetzt. Weiterhin wurden die Kinder darauf hingewiesen, dass sie ihre Haare entweder flechten oder rasieren, sowie mit einer sauberen und ordentlichen Schuluniform zum Kindergarten erscheinen sollen. Vor oder nach der ersten Spielpause bekamen die Kinder jeden Tag eine warme Mahlzeit, die meist aus Reis und Gemüse bestand. Danach putzen die Kinder draußen, vor den jeweiligen Klassenräumen, gemeinsam gründlich ihre Zähne.
Zu meinen Aufgaben gehörte unter anderem mit den Kindern gemeinsam im Unterricht zu singen, zu tanzen und ihnen neues Wissen, wie z.B. die verschiedenen Blätterarten, beizubringen. Das Hauptziel des Kindergartens ist es, den Kindern Englisch beizubringen, um die späteren Bildungschancen zu erhöhen. Die kleineren Kinder im Alter von 3 bis 4 Jahren werden eher spielerisch an Themen herangeführt, die älteren Kinder (5 bis 6 Jahren) lernen vereinzelt schon an der Tafel schreiben und rechnen.
Am meisten liebten alle Kinder es, draußen an den Spielgeräten herumzuklettern und Gruppenspiele sowie Klatschspiele zu spielen. Ich merkte schnell, dass der Erziehungsstil sowie die Herangehensweise in Gambia andere sind. Dort sitzen die Kinder verschult an Tischen und werden von der Lehrerin frontal unterrichtet. Ich merkte in der Zusammenarbeit mit den Kindern, wie erwachsen und selbstbewusst sie sich für ihr Alter verhielten und sie wuchsen mir alle schnell ans Herz.
In meiner Freizeit sang ich begeistert in einem Kirchenchor drei bis vier mal in der Woche, welchen mir Mariama, eine Mitarbeiterin vom Kindergarten, zeigte. Im Grunde wollte ich eigentlich nur die katholische Kirche in Brikama kennenlernen, stand dann überraschend vor 20 jungen Leuten, die sich als Chor vorstellten. Zurückblickend bin ich sehr froh, dort eine Gemeinschaft gefunden zu haben und fühlte mich von der Kirchengemeinde jeder Zeit willkommen geheißen. Es gab meinem Alltag auch eine gewisse Struktur, die mir gut tat.
Darüber hinaus unternahm ich viel mit meinen Freunden, z.B. fuhren wir zum „Jungle Beach“ oder zur Hauptstadt Banjul, wo ich neue Einblicke in das afrikanische Lebensumfeld gewann.
Es kam öfter zu Stromausfällen und mehrere Stunden floss kein Leitungswasser; ich hatte mich aber mit drei vollen Wassereimern gut vorbereitet und so kam ich gut klar. Ich lernte dazu, indem ich kreativ wurde und meine shampoonierten Haare über dem Wassereimer ausspülte.
In Gambia lernte ich auch geduldig zu werden: Die Einheimischen neigen dazu, nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zu erscheinen, sondern man kann schon mal 3 bis 4 Stunden warten.
„Die Europäer haben die Zeit, die Afrikaner die Ruhe.“ afrikanisches Sprichwort.
Rückblickend kann ich zu den vier intensiven Monaten sagen, dass ich unfassbar viel für mich und mein weiteres Leben mitgenommen habe und es eine bereichernde Erfahrung war. Die Menschen, die ich dort kennengelernt habe, haben mir gezeigt, mit welcher Positivität man dem Leben begegnen kann.
Egal wo ich hin kam, wurde ich freundlich empfangen und willkommen geheißen. Ich lernte den starken Zusammenhalt der Afrikaner kennen und das Arbeitsklima schätzen.
Sicherlich war der Aufenthalt in Gambia nicht mein letzter!
Ich bedanke mich herzlich an dieser Stelle für die Unterstützung und Ermöglichung des Vereins. Weiterhin danke ich allen Einheimischen, die mich die vier Monate lang willkommen geheißen und mich wie in eine Familie aufgenommen haben.
In diesem Jahr will ich zum 40sten Jubiläum meine afrikanischen Freunde besuchen und freue mich schon auf das Wiedersehen!
Pünktlich zum Schulbeginn nach den Winterferien ist der „neue“ Schulbus in Gambia angekommen. Insgesamt hat der Transport im Container mit Zwischenstopps in Köln, Antwerpen und Algeciras gut 6 Wochen gedauert. Der Bus war randvoll beladen mit zahlreichen Spenden und 2 neuen Behandlungsstühlen für unsere Dentalstation.
Inzwischen hat auch Nuriye, unsere neue Praktikantin, ihr Zimmer im Gästehaus bezogen und unterstützt das Kindergartenteam, für die nächsten 3 Monate.
Außerdem wurden die Kinder und Lehrer bei der „montäglichen“ Versammlung von der ehemaligen Praktikantin Melanie überrascht, die inzwischen mit Ehemann und Kindern in Kanada lebt und Gambia aktuell einen Besuch abstattet.
Bei morgendlichen ca. 20 Grad konnte man Pullover oder Jacke gut gebrauchen.
Nach langer Pause wird es Zeit, mal wieder aus bzw. über Gambia zu berichten, um die Besucher unserer Seite über die Geschehnisse der letzten Monate auf dem Laufenden zu halten.
Vermutlich hat sich aber auch parallel zu unserer Seite mancher bei facebook bereits informiert.
Fahren wir also fort nach dem Bericht vom Juni 2018 über unseren Kindergarten zu berichten, da ja nicht alle Interessierten zugleich auch facebook Fans sind.
Das heißt heute über die letzten 12 Monate zu schreiben.
Also: seit Oktober 2018 hat der Verein einen neuen Vorsitzenden, nachdem Gerhard Ruth sein Amt aus Gesundheitsgründen niedergelegt hatte. Zum neuen Vorsitzenden wurde Peter Funke gewählt; zugleich wurde Gerhard Ruth zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt (wir berichteten).
Ebenfalls im Oktober 2018 machte Peter Funke einen Antrittsbesuch in Gambia, um sich als neuer Vorsitzender vorzustellen (s. Bericht) und um in groben Zügen mögliche Vorhaben und aktuelle Investitionen bzw. Reparaturen zu besprechen (z.B. Aufstockung der Zahl der Förderkinder von 2 auf 3 pro Abschlussklasse, Einstellung eines neuen Buchhalters und eines Gärtners; Sanierung der Kindertoiletten, Erneuerung des Daches des 4er-Klassenblockes, mögliche Aufstockung auf 18 Klassen – d.h. von 450 auf 540 Kinder).
Was wurde von der Vielzahl der Pläne inzwischen umgesetzt oder in Angriff genommen?
Ab 17. September 2018 war der Kindergarten wieder geöffnet. 2 Tage später kamen die neuen Erstklässler. Die Nachfrage war wie immer sehr hoch.
Die Regenzeit hatten alle Gebäude ohne größere Schäden überstanden.
Im Januar 2019 wurden die ersten Vorhaben angegangen: die Kindertoiletten wurden renoviert; das Eingangstor wurde erneuert und ein neuer Gärtner (voller Elan und guten Ideen) gefunden.
Die Arbeiten am Dach der Versammlungshalle wurden begonnen, ebenso die Renovierung der Toiletten und Fenster.
Da das alte Auto (für Einkäufe und Dienstfahrten) nach vielen Jahren nicht mehr zu reparieren war, wurde ein Ersatzfahrzeug gesucht und gefunden.
Ein neuer Buchhalter hat seine Arbeit im Februar aufgenommen – und er scheint gut motiviert zu sein.
Im März haben einige Kindergartenkinder erfolgreich am Wettbewerb „Hopes of Tomorrow – Kids got Talents“ teilgenommenen und 5 Medaillen für die beste Drama Vorführung und Darstellung des Themenbereiches erhalten, sowie den 1. Platz in Jolly Phonics.
In den Osterferien wurden die neuen Metallträger für das Dach des 4-er Blockes eingebaut. Ende Mai war die Renovierung abgeschlossen.
Der Garten entwickelt sich auch durch das Gewächshaus sehr gut; die Gärtner ziehen Sämlinge heran zum Einpflanzen in den Schulgarten aber auch zum Verkauf.
Mitte Juni – am Ende des Ramadan – wurde mit dem Bau eines zusätzlichen 3-er Klassenblockes (wegen Aufstockung der Kinderzahl) begonnen. Rechtzeitig zum Schulbeginn im September wird der Block fertig sein.
Im Rahmen einer Überholung des Gästehauses wurden ein neuer Kühlschrank und 4 neue Matratzen angeschafft. Über eine neue Bestuhlung wird noch nachgedacht.
Im Büro wurde ein Internetanschluss installiert; auch das Gästehaus wird daran angeschlossen.
Durch eine Kameradrohne wurde ein Info-Film erstellt, der tolle Eindrücke vom Kindergarten und Gelände gibt.
Im Rahmen der Überlegungen über eine spätere Nachfolge von Hawa in der Leitung des Kindergartens besuchen z. Z. drei Lehrer einen Deutsch-Kurs.
Obwohl die Schulferien am 22. Juli beginnen, wurde bereits am 29. Juni eine große Abschlussfeier für die Kinder der 3. Klassen, die ab September die Grundschule besuchen werden, organisiert.
Erstmals in diesem Jahr werden pro Abschlussklasse 3 Kinder (statt bis jetzt 2) während ihrer Schulzeit gefördert.
Erfreulicherweise nimmt die Zahl der Bewerbungen für ein mehrmonatiges Praktikum zu. Im Herbst 2018 war eine Praktikantin für 2 Monate im Kindergarten und von März bis Juli dieses Jahres arbeitete eine andere Studentin mit unseren Kindern. Für das nächste Schuljahr haben sich auch bereits drei andere Praktikantinnen angemeldet.
Aber auch in Deutschland sind wir nicht untätig. So waren wir – wie in jedem Jahr – auch im Dezember 2018 mit einem Stand beim „Adventmarkt der Möglichkeiten“ und im Juni 2019 beim Stadtfest „Wat 602“ vertreten, im August werden wir beim jährlichen Sommerfest auf der Golfrange in Dortmund dabei sein.
Der Kindergarten steht im Ganzen gut da! Der Einsatz aller macht sich bezahlt. Nach wie vor freuen wir uns über Bewerbungen zur Mitarbeit – auch ohne Patenschaft.
Schon immer war es mein sehnlichster Wunsch, einen Freiwilligendienst in Afrika zu leisten. Nachdem ich mein Studium absolviert hatte, war somit für mich klar, dass ich die nun freie Zeit nutzen musste, bevor ich mich der Arbeitswelt zuwandte. Also ging ich meinem Wunsch nach und erkundigte mich über verschiedene Projekte.
Nach kurzer Zeit entschied ich mich für den Kindergarten Wattenscheid in Gambia. Da ich selbst in Wattenscheid lebe und bereits häufig interessante Artikel über den Kindergarten in der WAZ gelesen hatte, fiel mir die Entscheidung leicht. Daraufhin bewarb ich mich als Volunteer und bekam kurze Zeit darauf eine Zusage.
Bevor die Reise losgehen konnte, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Dazu gehörte ein Arztbesuch, bei dem geklärt wurde, welche Sicherheitsvorkehrungen für einen optimalen Gesundheitsschutz benötigt wurden. Ein Visum vor Antritt der Reise musste ich nicht beantragen, denn Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Gambia kein Visum. Dies gilt jedoch nur für Einreisende, deren Aufenthalt eine Zeitspanne von 28 Tagen nicht überschreitet. Da mein Aufenthalt jedoch über zwei Monate andauerte, musste ich nach meiner Ankunft in Gambia eine Aufenthaltsverlängerung beim gambischen Immigration Office beantragen. Diese war gebührenpflichtig und lag umgerechnet bei etwa 15 €.
Bei meiner Ankunft wurde ich von allen Mitarbeitern des Kindergartens sowie den vielen, lieben Kindern sehr herzlich empfangen. Für mich wurde ein Begrüßungslied gesungen und jeder Mitarbeiter stellte sich mir kurz vor. Danach hatte ich Zeit, um meine Koffer auszupacken und mich etwas einzurichten.
Kinder vor dem Eingang des Kindergartens Wattenscheid in Gambia
In den ersten Tagen verbrachte ich meine Zeit in 2-3 unterschiedlichen Klassen, um sowohl die Lehrer als auch die Kinder besser kennenzulernen. Schnell wurde ich mit etlichen neuen Eindrücken überhäuft.
Mein erster Tag im Kindergarten nach der Verteilung meiner Spenden in Form von Bleistiften und anderen Schulmaterialien
Doch nichtsdestotrotz fand ich gleichermaßen schnell neue Routine in meinem afrikanischen Alltag. Durch die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit für die die afrikanische Kultur bekannt ist, fiel es mir nicht allzu schwer mich einzuleben. Zudem konnte ich bereits nach kürzester Zeit mit Aida und Aminata, zwei junge Frauen, die in der Dentalstation des Kindergartens arbeiten. Freundschaften schließen. Nachmittags, nachdem der Kindergarten geschlossen hatte, verbrachte ich die meiste Zeit mit ihnen. Dank diesen beiden, hatte ich nach ein paar Tagen das kleine Dorf Kabafita, in dem ich wohnte, nahezu vollständig erkundigt und wusste somit auch auf welchen Märkten ich eigenstädig meine Lebensmittel kaufen konnte. Falls ich irgendwelche Anliegen oder Fragen hatte, hatte man stets ein offenes Ohr für mich und mir wurde immer geholfen.
Mein klassischer Arbeitsablauf bestand darin, einzelne Klassen zu besuchen und die Kinder beim Lernen zu unterstützen. In den Pausen verbrachte ich Zeit damit, mit den Kindern zu spielen. An manchen Tagen erledigte ich Büroarbeiten für die Leiterin des Kindergartens, Hawa. Diese standen jedoch nicht allzu oft an. Im Großen und Ganzen ähnelten sich die Tage im Kindergarten bezüglich der Abläufe sehr, doch langweilig wurde es nie. Im Gegenteil – das Lächeln der Kinder verzauberte mich jeden Tag aufs Neue.
Nach der Mahlzeit im Kindergarten werden die Zähne gemeinsam gründlich geputzt
Zu den kleinen Problemen des Alltags gehörte es, dass es gelegentlich zu Stromausfällen kam oder man kein fließendes Wasser hatte. Für mich als Europäerin, die es gewohnt ist, stets Zugriff auf diese für uns selbstverständlichen Ressourcen zu haben, war dies am Anfang zunächst gewöhnungsbedürftig. Doch auch daran gewöhnte ich mich schnell. Fiel das Wasser mal für mehr als ein paar Stunden aus, konnte man sich am Brunnen, welcher sich auf dem Kindergartengelände befand, Wasser pumpen. Neben diesen Rahmenbedinungen, die ich nicht unbedingt als negative Erfahrung betiteln würde, kann ich nicht von anderen negativen Erfahrungen berichten. Mein Aufenthalt in Gambia war durchweg positiv. Durch meine Tätigkeit im Kindergarten habe ich nicht nur Dinge über das Bildungssystem in Gambia gelernt, sondern vor allem über die Kultur, Werte, Normen, verschiedenen Ansichten und Perspektiven sowie die Zwischenmenschlichkeit.
Dieses Foto entstand am Unabhängigkeitstag in Gambia. Dieser wurde gemeinsam mit anderen Kindergärten groß gefeiert
Nach meinem ersten Monat, sozusagen meiner Halbzeit, kamen erfreulicherweise die Paten (Thomas, Laura, Peter und Albrecht) zu Besuch. Mit ihnen verbrachte ich in den kommenden zwei Wochen viel Zeit und konnte durch ihre Vorkenntnisse und Erfahrungen noch einmal eine andere Seite von Gambia kennenlernen. Wir machten fast täglich Ausflüge zu verschiedenen Orten, die ich vorher noch nicht erkundet hatte. Dazu gehörte der Fisch-Markt von Tanji, die bekannte Apotheke in Ghanatown, eine Batikfabrik, in der uns gezeigt wurde, wie man die wunderschönen Stoffe herstellt, die Märkte in Kololi und Serrekunda, verschiedene Museen sowie ein Park (Kachikally) in dem man frei laufende Krokodile streicheln konnte. Außerdem besuchten wir gemeinsam wunderschöne Strände, welche ich ebenfalls vorher noch nicht gesehen hatte.
Für den Unabhängigkeitstag haben alle Mitarbeiter den gleichen Stoff erhalten. Mit diesem Stoff durfte jeder selbstständig zum Schneider gehen, um sich ein maßgeschneidertes Kleid anfertigen zu lassen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mein Freiwilligendienst im Kindergarten Wattenscheid zu einer unvergesslichen Erfahrung fürs Leben wurde. Trotz anfänglicher Bedenken, dass es sich als schwierig gestalten könnte als junge Frau alleine für zwei Monate in Afrikas kleinstem Land als Volunteer zu arbeiten, lief alles durchweg positiv. Die Arbeit mit den Kindern hat mir viel Freude bereitet und ich habe von Tag zu Tag immer wieder Neues dazugelernt. Meine Erwartungen wurden alle erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen.
Doch in einer Hinsicht hatte ich mich gewaltig getäuscht – Vor Antritt meiner Reise hatte ich die Befürchtung, dass mich die Rahmenbedinungen und die ärmlichen Verhältnisse, in denen die Menschen in Gambia leben, sehr traurig machen würden. Allerdings traf dies nicht ein, im Gegenteil. Ich merkte schnell, dass die Menschen dort die kleinen Dinge im Leben zu schätzen wissen und mit den wenigen Habseligkeiten, die sie besitzen, sehr glücklich und zufrieden sind. Dies ist meiner Meinung nach eine Lebenseinstellung, von der wir Europäer uns eine Scheibe abschneiden sollten. Denn viel zu oft nehmen wir Dinge zu selbstverständlich, sind nie zufrieden mit dem, was wir haben und wollen immer mehr.
Ich bin sehr froh darüber, mich für diese Reise entschieden zu haben und kann jedem, der an einem Volunteer-Programm interessiert ist, nur raten, den Schritt zum „Abenteuer“ zu wagen.
Ob ich in ferner Zukunft noch mal in dieser Art einen Freiwilligendienst leisten werde, ist für mich bisher ungeklärt. Doch feststeht, dass ich nun als Patin des Kindergarten Wattenscheids an der nächsten Paten-Reise nach Gambia teilnehmen werde, um neu gewonnene Freunde und Bekannte wiederzusehen.
Während bei uns der Sommer seinem Höhepunkt zustrebt, begehen in aller Welt Moslime den Ramadan, eine Zeit der Enthaltung und Besinnung. In diesem Jahr sind es die Wochen zwischen dem 16. Mai und dem 14. Juni. Noch wenige Wochen, dann ist das Schuljahr 2017/18 zu Ende und mit der Regenzeit ist wie in jedem Jahr die Zeit der großen Ferien von Ende Juli bis Ende September gekommen.
Dann dauert es nicht mehr lange, bis die Kinder des 3. Levels den Kindergarten verlassen, um zur „Primary School“ zu wechseln. Die Abschlussprüfungen von rund 150 Kindern aus 5 Klassen finden statt und die nachrückenden Kinder werden angemeldet und eingeschrieben, was immer sehr aufgeregt und lautstark verläuft. Jetzt ist auch die Zeit für die klassenweise stattfindenden Ausflüge der Kinder zu lehrreichen Einrichtungen und interessanten Plätzen. In einer großen Abschlussfeier werden die Kinder mit ihren Zeugnissen entlassen. Die zwei besten jeder Entlassungsklasse werden für das Schulförderungsprogramm des Kindergartens benannt. Das ganze Dorf feiert natürlich mit.
Danach wird es still auf dem Kindergarten-Gelände. Das fröhliche Singen und Lachen der Kinder verstummt für längere Zeit. Aber der Kindergarten ist nicht tot. Hinter den Kulissen wird fleißig gemalt, gesägt und gehämmert. Neue Wandtafeln für den Unterricht entstehen und Schäden in den Klassenräumen oder an den Gebäuden werden behoben. Noch vor der Regenzeit wurde bereits das Dach der Versammlungshalle erneuert, das in die Jahre gekommen war und das Regenwasser an mehreren Stellen durchließ. Dazu mussten vorübergehend die Solarelemente entfernt und hernach wieder installiert werden. Nach über 13 Jahren werden in diesem Jahr die Toiletten der Halle und alle 12 Kindertoiletten und die Waschbecken erneuert sowie die Wände neu gestrichen.
Eine zusätzliche Wasserleitung in den hinteren Teil des Grundstückes soll die Wasserversorgung sowie die Bewässerung der Pflanzen zukünftig erleichtern und verbessern, zumal dort zwei weitere Wohneinheiten für unsere Mitarbeiter entstanden, die seit April bezugsfertig sind. Dann ist auch dieser Teil des Geländes, durch eine zusätzliche Mauer, besser geschützt und gesichert. Ebenfalls verbessert wird durch die Verlegung einer zusätzlichen „Stadt-Strom-Leitung“ die Versorgung etwa des Gästehauses mit Energie. Wie man sieht, ist die Liste der Arbeiten lang. Die beiden neuen Wohneinheiten
In der Dentalstation arbeiten seit Anfang des Jahres 2 ausgebildete Dental-Assistentinnen. Beide sind fest angestellt, während wie im letzten Jahr z.Zt. wieder Studentinnen und Studenten vom „Gambia College“ in Brikama praktische Arbeit „üben“. Commonwealth-DayWetthüpfen auf einem Bein
Durch einen Besuch des ASB Krankenhauses und des Brikama Colleges konnten anlässlich der Reise einer Vierergruppe im März nach Gambia alte Verbindungen gepflegt werden.
Zur selben Zeit hielt sich für 2 Monate eine Praktikantin im Kindergarten auf.
In diese Zeit fielen auch der „Commonwealth-Day“ und der „Unabhängigkeitstag“ sowie verschiedene sportliche Aktivitäten des Kindergartens.
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Nach der Abwahl des ehemaligen Präsiden Yammeh, der das Land 22 Jahre lang autokratisch regierte und finanziell ausbeutete fühlen sich die Gambianer wieder frei. „Wir sind frei!“ fasse sie selber in 3 Worten die veränderten Verhältnisse zusammen. Vieles hat sich positiv entwickelt oder ändert sich noch. Nur fehlen nach wie vor für eine auch wirtschaftliche Besserung neue Jobs im Lande. Durch den sich wieder belebenden Tourismus und verschiedenste Arbeitsprogramme der Regierung geht es langsam bergauf. Die Grundstimmung ist positiv. Man schaut hoffnungsvoll in die Zukunft.
Es war um das Jahr 2005, als die Idee wuchs, im „Kindergarten Wattenscheid“ nach deutschem Vorbild eine „Zahnvorsorge“ für Kindergarten- und Schulkinder einzuführen.
Zunächst wurden die Kosten für dieses Vorhaben grob überschlagen. Es gab viel zu berücksichtigen.
Räumlichkeiten mussten geschaffen werden. Behandlungsstühle, Einrichtungsgegenstände und Arbeitsgeräte angeschafft werden. Eine Sterilisierungseinrichtung für diese war unerlässlich. Alles musste gesucht und gefunden werden und wurde per Container von Deutschland nach Gambia verschifft.
Vorrangig aber ging es darum, in Gambia zahnmedizinisch geschulte Fachkräfte zu finden.
Da traf es sich gut, dass zur selben Zeit die Universität Witten vor Ort ein Programm mit dem Namen „Gambian Dental Care“ gestartet hatte.
Unter der Initiative und Leitung von Herrn Dr. Jordan (zwischenzeitlich Professor an der Uni Köln), der immer wieder mit Studierenden nach Gambia flog, wurden Begriffe wie Mund- und Zahnhygiene sowie die Bedeutung von Prophylaxe und regelmäßiger Zahnreinigung nach dem Essen mit Bürste und Zahncreme den Kindern nahe gebracht.
Besonders der Ausbildung von Fachkräften, den „COHWS“ (Community Health Workers) widmeten sich Dr. Jordan und seine Mitstreiter.
Durch die Zusammenarbeit von Kindergarten und „Gambian Dental Care“ bildete sich 2007 die „Dental-Station“ im Kindergarten Wattenscheid. Betrieben und finanziert wird bis heute alles vom Kindergartenverein in Deutschland durch Patengelder, Sponsoren, Einzelspenden und Einnahmen durch Aktionen.
Seit nunmehr 10 Jahren werden inzwischen jährlich viele Hundert Kinder betreut und behandelt.
Insgesamt kommen aus mehreren befreundeten Kindergärten und Grundschulen jährlich über 3000 Kinder in den Genuss der Vorsorge und – wenn erforderlich – Kariesbehandlung.
Wie offizielle Studien belegen, hat sich der Zahnstatus bei Kindern zwischenzeitlich deutlich gebessert, was sich dann in Zukunft auch bei Erwachsenen zeigen wird.
Schon sehr frühzeitig kündeten in diesem Jahr erste, starke Regengüsse die nahende Regenzeit an. Sie führten dazu, dass bereits Anfang Juli an manchen Tagen weniger Kinder als sonst zum Kindergarten kamen, da Straßen und Wege teilweise tief aufgeweicht und mit großen Pfützen übersät waren.
Ende Juli war es endlich soweit. Für Schulen und Kindergärten begannen die langen „Regenzeit-Ferien“. Verwaist waren Schulhöfe und Spielplätze. Wo sonst buntes Treiben und fröhliches Lachen zu hören waren, herrschte plötzlich Stille und die Kinderstimmen waren verstummt. Bis zum 25. September dauern nun die Ferien, dann kehrt wieder Leben in die Anlagen zurück. Ein neues Schuljahr beginnt.
Wie in allen Jahren waren auch in diesem Jahr die letzten Tage und Wochen vor den Ferien gespickt mit verschiedensten Aktivitäten.
So gab es wie in anderen Jahren Sportveranstaltungen zwischen den Kindergärten und die Abschlussfeier sowie die Einweihung der Bücherei mussten vorbereitet werden.
Anfang Juni machten die Kinder der 5 Entlassungsklassen gruppenweise mit dem Kindergartenbus Ausflüge zu interessanten und sehenswerten Plätzen, um neue Eindrücke außerhalb des Kindergartens zu sammeln.
Die „neuen“ Kinder wurden angemeldet und registriert, was in der Regel sehr lebhaft und lautstark vor sich geht. Am 8. Juli war dann mit Eltern und geladene Gästen die große Entlassungsfeier für die Schulanfänger und die Einweihung der Bücherei.
Jedes Kind bekam ein Zertifikat und die Besten der Abschlussprüfungen erhielten Preise.
Ferner wurden jeweils die zwei Besten aus jeder Entlassungsklasse für die Schulförderung benannt. Seit 2013 wurden auf diese Weise 50 Kinder gefördert etwa durch die Übernahme des Schulgeldes und der Kosten für Lernmaterial. Alle waren sehr festlich gekleidet. 40 neue „Kleider“ mussten in diesem Jahr genäht werden.
Im März des Jahres waren neben zwei Praktikantinnen auch zwei „Gäste“ in Gambia, die gemeinsam u.a. Schmuck und Holzschnitzarbeiten zum Wiederverkauf in Deutschland gekauft und mitgebracht haben.
Trotz Anzeigen in Gambia haben wir bislang noch keine geeigneten weiteren Fachkräfte für unsere Dentalstation finden können. Nun hoffen wir auf Unterstützung durch der Uni Witten-Herdecke nach den Abschlussexamen zum Jahresende. Hierzu haben wir an der „Uni“ zwei entsprechende Plakate ausgehängt.
Bereits im April des Jahres gab es verschiedene Wechsel bei den Hilfskräften im Kindergarten. Eine Putzfrau und ein Gärtner mussten ersetzt werden, eine weitere Putzfrau -speziell für die Sauberkeit der Essenshalle – zusätzlich eingestellt.
Auf dem Kindergarten-Gelände selbst werden z.Zt. Reparaturen an den Gebäuden und den Spielgeräten durchgeführt. Rechtzeitig von dem Ende der Ferien am 25. September müssen dann noch mit Pinsel und Farbe die Spuren der Regenzeit beseitigt werden.
Man sieht, der Kindergarten lebt, auch wenn er in diesen Wochen oft recht verlassen wirkt.
Nach aufregenden Wochen der Ungewissheit vor und nach den Wahlen in Gambia, in denen der bisherige Präsident Yahya Jammeh durch ein Oppositionsbündnis aus verschiedenen Parteien abgewählt wurde, überschlugen sich die Ereignisse.
Nach dem anfänglichen Eingeständnis seiner Niederlage folgten Erklärungen, doch im Amt bleiben zu wollen. Von Unregelmäßigkeiten bis hin zum Vorwurf des Wahlbetruges reichte die Palette seiner Anschuldigungen. Begleitet wurde alles von Drohungen und Einschüchterungsversuchen.
Das Volk aber demonstrierte und ging auf die Straße. Das Gespenst eines Bürgerkrieges erschreckte die Welt und Öffentlichkeit.
Dank der entschlossenen Reaktion der Ecowas-Staaten (Nigeria, Senegal, Mali und Guinea) bis hin zur Androhung einer Intervention zu Gunsten des gewählten Präsidenten Adama Barrow gab Jammeh auf und verließ das Land.
Inzwischen ist wieder eine weitgehende Normalisierung und Ruhe eingekehrt. Viele geflüchtete Gambier kehrten nach Gambia zurück.
Eine gewisse Aufbruchsstimmung macht sich allerorten bereit. Die Menschen hoffen nun auf eine bessere Zukunft. Rund 200 politische Gefangene wurden freigelassen, die Pressefreiheit wieder eingeführt und es gibt bereits erste Kontakte für eine Wiederannäherung an das Commonwealth. Schulen, Kindergärten, Banken und Behörden arbeiten wieder. Telefon und Internet sind online und die ersten Touristen kommen wieder, was für das Land lebenswichtig ist.
Der Zusatz „islamische Republik“ wurde vor dem Landesnamen wieder gestrichen.
Auch in unserem Kindergarten blieb die Zeit nicht stehen.
Das neue Ressource-Center wurde in Betrieb genommen. Es bietet zukünftig Gelegenheit mit einer z.Zt. noch ausbaufähigen Sammlung von Büchern und Spielen zur Nutzung.
Noch im Bau befinden sich zwei weitere, separate Wohneinheiten zur Nutzung durch unsere Mitarbeiter gegen kleines Geld oder auch zur Vermietung. Somit kommen dann weitere Dalasi in die Kasse des Kindergartens.
Die Klassen trainieren zurzeit fleißig für das Sportfest der Schulen.
Da unser Gelände durch seine Lage von den Unruhen weniger belastet war als andere Einrichtungen, konnten auch unsere zwei Praktikantinnen im Land bleiben oder ihr Praktikum wie geplant beginnen. In diesen Tagen fliegt eine weiter Studentin nach Gambia, um dort Auslandserfahrungen und neue Eindrücke zu sammeln.
So haben die Vorkommnisse zu Beginn des Jahres wie es scheint noch ein glückliches Ende gefunden. 22 Jahre war Jammeh nach einem Putsch im Jahr 1994 mit seiner Schreckensherrschaft im Amt.
Zeit für bessere Zeiten!
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