Was tut sich im Kindergarten?
Ein Resümee der letzten Monate

Während der Sommer sich bei uns nur sehr zögernd durchsetzt, beginnen die Menschen in Gambia bereits, die Wochen bis zum Beginn der Regenzeit und damit dem Ende des laufenden Kindergartenschuljahres zu zählen. Am 20. Juli ist es soweit.

Bis dahin sollten erstmals zehn Kinder aus dem Entlassungsjahrgang durch das Komitee vor Ort ausgewählt werden. Leider wird sich das Vorhaben wegen Schwierigkeiten bei der Auswahl der Kinder nun doch um ein Jahr verzögern. Die Kinder werden jetzt später als geplant in den Genuss der beschlossenen finanziellen Unterstützung von begabten oder aus sozialschwachen Familien stammenden Kindern kommen. Wir berichteten bereits über den Umfang und den Durchführungsmodus der Förderung (zum Bericht).

Ein Jahr ist lang und doch so schnell vorüber. Viel ereignete sich im Laufe der Monate.

Im März weilte, wie in jedem Jahr, eine Gruppe von Paten, Sponsoren oder allgemein Interessierten in Gambia. Unter der kundigen Leitung von Klaus Bischoff besuchten sie u. a. unseren Kindergarten und das „Kinderdorf Bottrop“. Bei gemeinsamen Ausflügen, wie zum Öko-Dorf Tumani Tenda, nach Bakau zur Krokodil-Farm oder zu den Märkten in Serrekunda und Brikama lernte man Land und Leute näher kennen oder pflegte alte Beziehungen.

Auch in diesem Jahr haben wieder zahlreiche Studentinnen verschiedener Fachhochschulen ein freiwilliges oder auch Pflichtpraktikum bei uns absolviert. Die Reaktionen und Beurteilungen waren durchweg sehr positiv bis begeistert, wenn auch der eine oder andere Punkt durchaus kritisch gesehen wurde. So profitiert jede Seite von dieser Zusammenarbeit. Viele Kontakte werden auch nach der Rückkehr weiterhin gepflegt.

Da Flugsand und Staub bei PC und anderen Geräten immer wieder zu Störungen und Ausfällen durch Überhitzung geführt haben, wurde beschlossen, in den Büroräumen die alten Fenster durch neue, dichtere Schiebefenster aus Metall zu ersetzen. Die Arbeiten hierzu wurden in den Osterferien durchgeführt.

Die bereits Ende des letzen Jahres eingeweihte, neu gestaltete Essenshalle erfreut sich nach anfänglicher Skepsis immer größerer Beliebtheit. Sie ist ein nützlicher Beitrag zu mehr Hygiene beim Essen.

Ein langjähriger Pate, Dozent an einer Berliner Fachhochschule, der mit seiner Partnerin in Gambia Urlaub machte, stellte (nach entsprechender Abstimmung mit dem Vorstand) in zahlreichen Gesprächen und Workshops unseren Lehrern neue didaktische Mittel und Ideen vor. Seine Partnerin erklärte derweil unserem Buchhalter die Vorteile und praktischen Anwendungen des Excel-Programmes in der Buchhaltung. Das wird seine Arbeit wesentlich erleichtern. Gemeinsame Übungen und gestellte Aufgaben sollten zum besseren Verständnis der Arbeit damit führen. Wie erfolgreich, muss die Zukunft zeigen.

Aber auch sonst tut sich immer irgendetwas im Kindergarten.

Bei Wettkämpfen, in Spiel und Sport vergleichen und messen die Kinder ihre Kräfte. Fußball, Sackhüpfen, Wettläufe und Geschicklichkeitsspiele stehen dabei hoch im Kurs und werden stets lautstark bejubelt. Erstmals in diesem Jahr gab es einen Fußball-Pokal, der in einer Begegnung zwischen „Wattenscheid“ und „Bottrop“ ausgespielt wurde. Eins zu null besiegten diesmal „unsere“ Kicker die Mannschaft von „Bottrop“.

Im August wird unsere Leitern Hawa Sanneh zur Hochzeit ihrer Tochter nach Deutschland kommen. Vorgesehen ist dann auch ein Besuch von ihr bei dem nun schon zum dritten Mal veranstalteten „Sommerfest“ (mit großer Tombola) der Golf-Range Dortmund-Wambel zugunsten unseres Kindergartens in Gambia. Schon bald werden dort für drei Monate die hellen Kinderstimmen und das fröhliche Lachen verstummen, bevor am 16. September der Kindergarten seine Pforten wieder öffnet.

Bericht aus dem Kindergartenalltag – ein Praktikumsbericht von Katharina Funke (10.10.-27.11.12)

 

10. Oktober 2012 startet mein Praktikum im „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“.

Der Start war nicht so gut, da meine Fotokamera schon beim Hinflug kaputt gegangen ist.  Am zweiten Tag des Aufenthaltes im Kindergarten wurden mir aus meinem Zimmer mein Rucksack und meine Schuhe gestohlen. Laptop und Wertsachen durfte ich aufgrund einer Vorsichtsmaßnahme behalten; sie waren nicht mehr im Rucksack. Nach diesen doch sehr aufregenden Erlebnissen konnte eigentlich alles nur besser werden.

In den ersten Tagen im  Kindergarten habe ich mich zunächst auf dem Gelände und in den Klassenräumen umgesehen sowie die Kinder, die Lehrer und Lehrerinnen kennengelernt. Es gab zahllose neue Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten.

Der Tagesablauf hier ist mit dem in deutschen Kindergärten nicht vergleichbar. In Deutschland habe ich bisher nur reine Kindergärten kennengelernt und somit musste ich mich erst einmal umstellen, da ich hier aber auf einen solchen stieß, der gleichzeitig Vorschule ist. Die Kinder kommen morgens um 8:30 Uhr und gehen montags bis donnerstags  um 13:30 Uhr wieder nach Hause. Freitags sind die Kinder nur bis 12:00 Uhr da.

Jeden Montag und Freitag findet ein Assembly statt. Dort treffen sich alle Kinder und Lehrer vor dem Unterricht um zu beten, die gambianische Nationalhymne zu singen und wichtige Dinge zu besprechen. Jeden Freitag werden die Kinder daran erinnert, ihre Uniform und sich selbst zu waschen, sowie ihre Haare neu zu flechten bzw. zu rasieren. Die Kinder haben jeden Tag zwei Pausen von je einer halben Stunde. In dieser Zeit können sie Fußball spielen und auf den Spielgeräten herumtoben. Auch stehen ihnen Fahrzeuge wie Dreiräder, Roller, Fahrräder u. a. zur Verfügung. Außerdem kommen in den Pausen „Marktfrauen“ auf das Kindergartengelände und verkaufen den Kindern für ein paar Dalasi etwas zu essen oder zu trinken.

Vom Kindergarten bekommen alle Kinder jeden Tag ein Frühstück, welches ganz unterschiedlich aussehen kann. So gibt es zum Beispiel Reis oder Grießbrei, Tee, Brot oder Kartoffeln. Für manche Kinder ist das die einzige warme Mahlzeit am Tag. Nach dem Essen darf natürlich das Zähneputzen nicht vergessen werden. Jedes Kind hat im Kindergarten eine eigene Zahnbürste und einen Zahnputzbecher. Diese Gerätschaften bleiben im Kindergarten. Auf dem Gelände gibt es seit 2007 eine Dentalstation, in der Kinder und Erwachsene Dorfbewohner kostenlos untersucht und behandelt werden.

Die Kinder sind zwischen drei und sechs Jahre alt und werden in 15 Klassen unterrichtet. Es gibt die Stufen 1, 2 und 3, die sich in mehrere Klassen unterteilen. Die Lehrer bleiben immer in ihrem Level und somit haben die Kinder jedes Jahr einen Lehrerwechsel. Die Kinder genießen nicht nur eine spielerische Erziehung, sondern werden auch in Fächern wie Mathematik, Science, Sport, Writing und Englisch unterrichtet. Englisch ist die Voraussetzung für die spätere schulische Laufbahn, da in der Primary School nur in der 1. und 2. Klasse in der Stammessprache unterrichtet wird und danach nur noch Englisch – die offizielle Landes-sprache in Gambia – gesprochen wird.

In den ersten beiden Wochen war ich in einer 1. Klasse. Danach 2 Wochen in einer 2. und zum Schluss auch noch in einer 3. Klasse. So konnte ich in jeden Level hineinschauen und den Lehrern meine Vorstellungen einer Unterrichtsgestaltung nahe bringen. In der ersten Zeit hieß es aber für mich, erst einmal die Augen und Ohren offen zu haben, für die afrikanischen Unterrichtsmethoden. Die Kinder erlernen die Namen und Klänge der Buchstaben durch Jolly Phonics. Dies sind Lieder zu den einzelnen Buchstaben. Nachdem ich diese Lieder größtenteils selber gelernt hatte, stand ich oftmals alleine (ohne Lehrer/in) vor den Kindern und sang mit ihnen. Sie hatten Spaß am Singen und so machte es auch mir Freude. Außerdem lernen die Kinder ab drei Jahren zu schreiben. Bei den Schreibübungen konnte ich mich schnell einbringen und den Lehrern helfen. Zum einen konnte ich Tipps geben, wie die Kinder in Deutschland schreiben lernen (z. B. Buchstaben überschreiben und danach erst selbstständig schreiben), zum anderen habe ich geholfen, in den Heften der Kinder die Buchstaben vorzuschreiben. Außerdem bin ich durch die Klassen gegangen und habe den Kindern geholfen, wenn sie Schwierigkeiten hatten. In der ersten Klasse lernen die Kinder zuerst die einzelnen Buchstaben und Zahlen zu schreiben. Später, in der zweiten Klasse, schreiben sie dann schon Wörter von der Tafel ab, und in der dritten Klasse schreiben die Kinder Sätze und lösen einfache Rechenaufgaben.

Außerdem habe ich mit den Kindern im Freien Kreisspiele wie „Der Plumpsack geht herum“ und „Ich tanze nicht gern allein“ gespielt und den Lehrern Hilfestellungen bei der Unterrichtgestaltung gegeben. Mit der 2. Klasse probte ich auf Deutsch die Lieder „Alle meine Entchen“ und „Bruder Jakob“ ein.

In meiner Freizeit habe ich oft für die Klassen Plakate gemalt; zum einen mit Buchstaben und passenden Gegenständen und zum anderen Plakate, um den Kindern spielerisch den Alltag und ihre Umwelt bildlich darzustellen.

Im Oktober habe ich von jeder Klasse und dem jeweiligen Lehrer Klassenfotos gemacht. Diese sollen bald in den Klassenräumen hängen und kommen demnächst noch auf die Internetseite des Kindergartens. Von dieser Idee waren alle begeistert und haben mit viel Freude an deren Vollendung mitgearbeitet. Neben der Arbeit in den Klassen habe ich auch Hawa, der Headmistress, beim Verfassen von E-Mails und der Weihnachtspost für die Paten und Sponsoren geholfen. Ich habe ein Dankesschreiben vorbereitet und die Kinder malten Bilder dazu. Ihnen war der Spaß ob ihrer Beteiligung an der Arbeit in den Gesichtern abzulesen. Zeitlich passend zum Weihnachtsfest wurden nun die Briefe zusammen mit den Bildern nach Deutschland versandt.

Zwischen den Angestellten des Kindergartens herrscht ein angenehmes, freundschaftliches Arbeitsklima; diese große Gruppe nahm mich sehr freundlich auf. Ich habe mich wohl gefühlt und freute mich daher jeden Tag aufs Neue, in den Kindergarten gehen zu dürfen. Die Zeit in Gambia ging viel zu schnell zu Ende und am 26. November 2012 hieß es Abschied nehmen. Ich konnte die eine oder andere Träne nicht zurückhalten, aber nicht weil ich unglücklich war. Nein, ich habe hier auf eine ganz besondere Art und Weise erfahren, wie leicht und mit wie wenigen Dingen man glücklich werden kann. Um dieses Gefühl wieder spüren zu können, werde ich auf jeden Fall nach Gambia und in den Kindergarten zurückkehren.

Katharina Funke im Dezember 2012

Gerd Ruth feiert 80. Geburtstag in Gambia bei letztem Besuch im Kindergarten


Bericht und Bilder von Wolfgang Gerrits

Im Kreis „seiner“ 450 Kinder im 5500 Kilometer entfernten „Kindergarten Wattenscheid“ in Gambia feierte Vereinsvorsitzender Gerhard Ruth seinen 80. Geburtstag. Sichtlich gerührt und tief bewegt nahm „Mister Gambia aus Wattenscheid“ die vielen herzlichen Glückwünsche entgegen. Mit Liedern, Sketchen und Tänzen versüßten Kinder und Erzieher den Ehrentag des Wattenscheider Urgesteins.

„Ich wollte meinen Geburtstag im Kreis der Kinder feiern und das mit meinem Abschied verbinden“, erläuterte Gerd Ruth. Es sei definitiv seine letzte Gambia-Reise gewesen, verriet der nunmehr 80-Jährige. So rann auf der Geburtstagsfeier in den Kelch der Freude so manche Abschiedsträne. Nun wird der Altersjubilar bis zu den nächsten Wahlen in zwei Jahren seine Nachfolge im Wattenscheider Verein regeln.

Der Festplatz auf dem Kindergartengelände war prall gefüllt, und die Kinder in ihren schmucken Uniformen bildeten eine eindruckvolle Kulisse, als ein kunterbuntes Programm den Jubilar in beste Geburtstagslaune versetzte. Der Fußball-Nachwuchs sorgte für einen stürmischen Auftakt und schoss sich in den vom Marienhospital gespendeten blauen und roten Trikots ein. Über Wochen und Monate eisern einstudiert, schmetterten die kleinen Gambia-Knirpse deutsches Liedgut: „Bruder Jakob, Bruder Jakob“ und „Alle meine Entchen“.  Und voller Stolz drückten sie in großen Lettern auf selbst angefertigten Plakaten den Dank und die Glückwünsche an den „Gambia-Motor“ aus: „Happy birthday to Mr. Gerd“ oder „Thank you for everything“.

Kindergartenleiterin Hawa Sanneh fasste die Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden der Wattenscheider Initiative so zusammen: „Du bist wie das Meer. Mal turbulent, meistens aber ruhig. Wir lieben Dich, Du hast viel getan für uns. Es fällt uns allen unendlich schwer, dass Du nicht mehr nach Gambia kommen wirst.“

Und da waren sie wieder – ein paar Tränen mehr, die den Freudenkelch der Feier füllten. Aufbruch in ein neues Jahrzehnt und Abschied nach Jahrzehnten ehrenamtlicher Leistungen und Anstrengung in Gambia. Gerd Ruth hat beides verknüpft. Auf seine ihm eigene Art. Im Kreise seiner zweiten Familie an der westafrikanischen Küste, in der Mitte „seiner“ 450 Kinder im Kindergarten Wattenscheid in Gambia.

Bericht aus Gambia: Sieben Wochen in Afrika


Ein Bericht von Rolf Schulte, WAZ, 15.12.2012

Wattenscheid/Brikama. Sich in der Hellwegstadt zu engagieren, war für Katharina Funke nie eine Frage. Aber wieso wollte die Ur-Wattenscheiderin ausgerechnet im westafrikanischen Gambia ein besonders „starkes Stück“ der Alten Freiheit entdecken? Die 23-Jährige hat’s einfach gemacht. Sie war für sieben Wochen als Praktikantin tätig im „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“ in Brikama.

Im Juli hatte Kathi ihre Ausbildung als Erzieherin und Sozialarbeiterin in Deutschland beendet. „Ich wollte schon immer ins Ausland“. Und dann ging’s ganz schnell. Übers Hörensagen erfuhr sie von der Praktikumsmöglichkeit im Kleinstaat an der Küste Westafrikas, nahm Kontakt zum hiesigen Verein auf und packte wenige Wochen später den Koffer. „Zum ersten Mal allein geflogen und zum ersten Mal in Afrika gelandet“, berichtet sie. Ab Mitte Oktober bezog sie Räume im Gästehaus vom WAT-Kindergarten und war gleich in die Erzieherinnenrolle für die drei- bis sechsjährigen Gambianer eingebunden. Sie hat alle 15 Klassen der mehrstufigen Einrichtungen durchlaufen, bei den Schreibübungen mit den Mädchen und Jungen zu jedem Buchstaben ein Lied eingeübt. Fessou, Mei, Sally und Mariam scheint’s besonders gut gefallen zu haben. Die drei- und vierjährigen Mädchen möchten Kathi immer wieder in ihrer Klasse als Lehrerin haben. Spätestens in dem Moment war ihre Anfangssorge „Kann ich die Kinder überhaupt auseinander halten?“ längst eindeutig beantwortet.

Katharina Funke inmitten der Kindergartenkinder im gambianischen Brikama. (Foto: Rolf Schulte)

Kathi Funke hat ihr deutsches Praktikum in einem Hordeler Kindergarten gemacht und zu Hause auch in eine Grundschule „geschnuppert“. Aber die Erziehungsform in Gambia sei anders, „eben eine Vorschule, um die Kinder fit für ihre weitere Schulausbildung zu machen“. „Anders“ bedeutet auch, dass die Kleinen im Kindergarten eine Schuluniform tragen. „Das heißt für uns, dass so wegen der Kleidung keine sozialen Unterschiede gemacht werden“, begründet Hawah Sanneh, Leiterin der Einrichtung.

Der siebenwöchige Aufenthalt in Gambia hat bei der 23-jährigen Kathi aber nicht nur viele Eindrücke hinterlassen – dokumentiert mit mehr als 1000 Fotos – sondern auch die Frage „warum sollen gambianische Kinder weniger Gefühle zeigen als deutsche?“ Ihr ist aufgefallen, dass schon die Kleinen von den Erwachsenen aufgefordert werden, nicht zu weinen.

Nach der Rückkehr wird sie ihre Mitarbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr in Günningfeld fortsetzen und sich weiterhin um eine Anstellung als Erzieherin und Sozialarbeiterin bemühen. Sie weiß aber schon jetzt: „Das war nicht mein letzter Aufenthalt in Gambia“!

Praktikumsbericht September 2012: Welcome to the Gambia, the smiling coast of Africa


WELCOME TO THE GAMBIA, THE SMILING COAST OF AFRICA

Herzliche Worte in denen sich ganz und gar die gambische Mentalität widerspiegelt.
______________________________________________________________________________________

Ein Praktikumsbericht von Vera Barisch, Charlotte Babucke und Anne Stockhausen,
Universität Köln

 

Menschen. Überaus viele Menschen. Nach Süßigkeiten verlangende Kinder. (Was meinen die mit „Toubaaaaab“? Offensichtlich meinen sie uns!) Erdrückende Hitze. Sich kaum retten können vor Kontaktfreudigen (vor allem Männern). Wo bekommen wir unser Trinkwasser her? Was können wir essen ohne dass uns unser Magen dafür dankt? Wo gehen wir hin, wenn er es dann doch tut, oder sonst irgendwelche Funktionen unseres Körpers streiken? Wie lange können wir abends über die Straße laufen ohne dass uns Gefahr droht? Ist es überhaupt gefährlich, oder sagt uns das nur unsere Voreingenommenheit gegenüber dem afrikanischen Kontinent? Was sind das für befremdliche Gesänge, die fünf Mal am Tag unsere Ohren erreichen? Warum sitzen Freitags alle jungen Männer auf der Straße? WIE BEKOMME ICH DIESE RIESIGE, HAARIGE SPINNE VON MEINEM NACHTTISCH? Wie funktioniert das gambische Verkehrssystem? Sind wir im Schlaraffenland oder warum sonst blicken wir sobald wir das Haus verlassen auf pralle, reife Mangos, Orangen und Bananen? Okay, sehr gut, Verhungern werden wir also schonmal nicht! Wann fängt denn jetzt nochmal endlich der Kindergarten an? Wie sind wohl die Lehrer? Werden wir viel zu tun haben, oder uns doch eher langweilen? Bitte,bitte, bitte lieber Gott, lass uns dieses Malaria nicht näher kennenlernen, wir haben wahnsinnige Angst davor!

All diese Gedanken, Fragen und Sorgen umkreisten in den ersten Tagen unserer Ankunft in Brikama unseren Kopf.

Mit dem Wiederbeginn des Kindergartens wurden wir dann jedoch so überaus liebevoll-umsorgend von der Lehrerschaft empfangen, dass im Handumdrehen jegliches Unbehagen passé war. Nicht nur Lehrer, sondern auch Kinder des Kindergartens zögerten nicht uns ihre Freude über unseren Besuch wiederzuspiegeln. So begannen wir Mitte September voller Aufgeregtheit und Enthusiasmus unsere Praxiserfahrung im Kindergarten Wattenscheid in Gambia.

Jede von uns begleitete ab diesem Tag täglich eine der vielen Klassen in ihrem Tagesablauf. Zunächst hospitierten wir in den höheren Klassenstufen, als dann schließlich die „Neuankömmlinge“ da waren konnten wir uns auch diese Erfahrung nicht entgehen lassen und wurden direkt auf unsere Fertigkeiten getestet, den Kleinsten, die wohl zum ersten Mal in ihrem jungen Leben dem Schulalltag beiwohnten zu helfen sich zurecht zu finden. Und das war gar nicht so einfach! Es wurden viele Tränen vergossen die getrocknet werden wollten, wegen kleiner oder großer Mißgeschicke. Weil die kleinen sich nach der Pause auf dem Schulgrundstück verlaufen hatten oder nicht pünktlich nach Kindergartenschluss von den Eltern abgeholt wurden. Weil ein geliebtes Spielzeug kaputt gegangen ist oder auf der Toilette ein Malheur geschehen war… .

Bei den älteren Schülern war es besonders schön zu sehen, mit welcher Freude sie sich beispielsweise deutsche Lieder von uns beibringen ließen. Außerdem hatten wir dort eine sehr große Freiheit uns mit kreativen Vorschlägen in den Unterricht einzubringen. Die Lehrer waren an unseren Ideen sehr interessiert und aufgeschlossen solche auszuprobieren und umzusetzen. So unterstützten wir die Kinder und Lehrpersonen im Mathe- und Englisch unterricht, begleiteten die Kinder in die Pausen, halfen bei der Organisation des Mittagessens und gingen mit zur zahnärztlichen Untersuchung. Wir hatten den Eindruck dass nicht nur wir ihnen, sondern auch die Kinder uns eine ganze Menge beibringen konnten.

Insgesamt war es sehr erheiternd und bereichernd zu erleben, was für eine fröhliche Ausgelassenheit  auch im Lehrerkollegium vorherrschte. Verglichen mit deutschen Schulen, an denen oft eine sehr große Ernsthaftigkeit und ein straffer Arbeitsgeist den Tagesplan bestimmen, fühlten wir uns im Kindergarten Wattenscheid eher wie in einer großen Familie. Das bestätigte sich besonders als wir  uns zu einem sehr lehrreichen, intensiven und ausgelassenem Lehrerworkshop zusammenfanden, welcher in Teilen von der Schulleiterin und den Lehrern und zu einem kleinen Anteil auch von uns vorbereitet wurde. In diesem Workshop lernten wir einen Nachmittag alles Wissenswerte über Phone und Phoneme, was durch passende Lieder zum selbst Ausprobieren und Näherbringen untermalt wurde. Gegen Ende des Workshops wurde uns dann noch die Freude zuteil, dem Lehrerkollegium einige Didaktik-Spiele näherzubringen. Dem Spaß und der Belustigung aller konnte hierbei kaum Einhalt geboten werden. Unsere Lachmuskeln wurden bei dem Anblick eines, sich in Geschicklichkeitsübungen erprobenden Lehrerkollegiums  ordentlich strapaziert.
Als es dann am Ende Abschied zu nehmen hieß, konnten wir uns dann kaum zurückhalten die ein oder andere Träne zu vergießen.

Wir sind sehr froh, dass uns diese Erfahrung ermöglicht wurde und bedanken uns für eine so freundliche und engagierte Kommunikation und Kooperation seitens Gerhard Ruth und Thomas Solbrig des Kindergarten Wattenscheid in Gambia Vereins. Außerdem möchten wir dem gesamten Lehrerkollegium in Gambia, unter der Leitung von Hawa Sanneh nocheinmal ausdrücklich für die überaus herzliche Art mit der wir vor Ort empfangen wurden, unseren besonderen Dank aussprechen.

Ferien in Gambia – Baumaßnahmen an der Essenshalle haben begonnen!

 

Nachrichten aus Gambia

Mit dem Beginn der Hauptregenzeit endete am 20. Juli das laufende Kindergartenjahr. Nun sind Ferien – bis zum 16.September, dann beginnt mit der Aufnahme der „Neuen“ wieder der Kindergartenbetrieb.

Zeitgleich werden drei Praktikantinnen, alle Studierende der FH Köln, ihr vierwöchiges Praktikum beginnen. Schon ab dem 22. August wollen sie zwei Wochen lang Land und Leute kennen lernen.

Wenn auch der Kindergarten während der Regenzeit geschlossen bleibt, so bewegt sich doch einiges auf dem Gelände. Die Essenshalle, auch als Markthalle genutzt, soll umgebaut und neu gestaltet werden. Dazu werden die Seiten halbhoch abgemauert und der Boden wird mit Fliesen belegt. In vier Blöcken werden Tische und Bänke für rund 250 Kinder gemauert.

Ziel der Maßnahme ist es, mehr Hygiene bei der Nahrungsaufnahme zu erreichen. Z. Zt. hocken die Kinder in Sand und Staub auf dem Boden der Halle und essen aus großen Schüsseln. Etwa zum Ferienende werden diese Umgestaltungsarbeiten beendet sein.

Auch im „Kinderdorf Bottrop“ werden die Ferien genutzt. Dort wurde mit dem Bau der lang ersehnten „Halle“ für die Technical High School begonnen. Das Fundament liegt bereits. Einweihung soll im November anlässlich einer Patenreise der Bottroper sein. Auch unser Kindergarten wird dabei vertreten sein.

So werden überall im Lande die Ferien und Regenzeit für Baumaßnahmen und Reparaturen genutzt.

Kindergartenkinder essen in der alten Halle
Bauplan für den Umbau der Essenshalle

 

Praktikumsbericht von Mandy Hoffmann


Oktober/November 2011

Ende Oktober 2011 startete ich mein Praktikum im Kindergarten Wattenscheid in Gambia. Die erste Zeit hieß es zunächst einmal Zusehen, Kennenlernen und natürlich ganz viele neue Erfahrungen sammeln.

Die Woche beginnt montags regelmäßig mit dem Montag-Assemley. Von Montag bis Donnerstag beginnt der Kindergarten um 8:30 Uhr und endet um 13:30 Uhr. Auch der Freitag beginnt um 8:30 Uhr mit dem Freitags-Assembley. Da freitags nur halbtags Kindergarten ist, endet der Unterricht bereits um 12 Uhr.

Es werden Fächer wie English, Writing, Mathematik, Science, Sport und ähnliches unterrichtet. Zwischendurch wird der Unterricht jedoch immer mal wieder durch Gesang, Tanz oder Puzzle-Spiele aufgelockert.

Selbstverständlich gehört zum Kindergartenalltag auch das regelmäßige Frühstück.

 

Dezember 2011

Im Dezember begann, wie in jedem Jahr, das seitdem wöchentlich stattfindende Freitagsquiz. In diesem Quiz treten jeden Freitag zwei Klassen gegeneinander an. In dem Quiz geht es darum, möglichst viele Fragen zu den bisher im Unterricht behandelten Inhalten zu beantworten. Gewonnen hat die Klasse mit den meisten richtig beantworteten Fragen. Die Kinder haben sichtlich Spaß an dem Quiz und die Vorfreude auf den Freitag ist dementsprechend groß. Zur Auflockerung des Quizes wird mit allen Kindern immer mal wieder ein gemeinsames Lied gesungen.

Am 15.12.2011 fand auf dem Kindergartengelände das Zimba-fundraising-Programm statt. Mit großer Begeisterung kammen alle Kinder zu dieser Veranstaltung, verfolgten das Programm und tanzten bis in die Abendstunden.

Vor Weihnachten wurden von den Kindern Bilder für die deutschen Spender gemalt. Auch hier war den Kindern der Spaß in den Gesichtern abzulesen. Anschließend wurden die Bilder zusammen mit den Briefen nach Deutschland versandt.

Zu Weihnachten endete das erste Trimester, und es folgten zwei Ferienwochen.

 

Januar 2012

Am 09.01.2012 begann das zweite Trimester. Der Januar stand ganz im Sinne des Sportes. Wir begannen mit dem Training der Kinder als Vorbereitung auf den im Februar stattfindenden Sportwettkampf. Das Training der Kids beinhaltet unter anderem Staffellauf, Wettlauf, Stuhltanz, Limettenlauf, Sackhüpfen und vieles mehr. In den einzelnen Trainingseinheiten wurden die Kinder mit den einzelnen Übungen vertraut gemacht, so dass ihnen diese später im Wettkampf bekannt sind. Auch bei dem Sporttraining waren alle mit Begeisterung dabei.

Ebenfalls im Januar fand auf dem Kindergartengelände die Grapefruit-Ernte statt. Jedes Kind bekam zwei Grapefruits geschenkt, die die Kinder später in der Pause sichtlich genossen.

Leider gab es im Januar auch einen negativen Zwischenfall zu berichten. Des öfteren war zu beobachten, dass Schüler der angrenzenden Schule in den Pausenzeiten auf der abgrenzenden Mauer saßen und die Kinder des Kindergartens ärgerten. Ebenfalls wurde berichtet, dass einige Kinder der benachtbarten Schule über die Mauer auf das Kindergartengelände gelangten und in unbeobachteten Momenten Geld und anderes Eigentum von Kindern des Kindergartens gestohlen haben. Ende Januar erwischten wir zwei Jungs der Schule auf frischer Tat und konnten sie somit zur Verantwortung ziehen. Seither ist es ruhiger geworden.

 

Zwischen den Angestellten des Kindergartens herrscht ein angenehmes, freundschaftliches Arbeitsklima, und ich wurde sehr freundlich in die Gruppe aufgenommen. Ich fühle mich sehr wohl hier und freue mich daher jeden Tag aufs Neue auf den Kindergarten.

Liebe Grüße aus Gambia sendet
Mandy