10 Jahre Dental-Station „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“

Es war um das Jahr 2005, als die Idee wuchs, im „Kindergarten Wattenscheid“ nach deutschem Vorbild eine „Zahnvorsorge“ für Kindergarten- und Schulkinder einzuführen.
Zunächst wurden die Kosten für dieses Vorhaben grob überschlagen. Es gab viel zu berücksichtigen.
Räumlichkeiten mussten geschaffen werden. Behandlungsstühle, Einrichtungsgegenstände und Arbeitsgeräte angeschafft werden. Eine Sterilisierungseinrichtung für diese war unerlässlich. Alles musste gesucht und gefunden werden und wurde per Container von Deutschland nach Gambia verschifft.
Vorrangig aber ging es darum, in Gambia zahnmedizinisch geschulte Fachkräfte zu finden.
Da traf es sich gut, dass zur selben Zeit die Universität Witten vor Ort ein Programm mit dem Namen „Gambian Dental Care“ gestartet hatte.
Unter der Initiative und Leitung von Herrn Dr. Jordan (zwischenzeitlich Professor an der Uni Köln), der immer wieder mit Studierenden nach Gambia flog, wurden Begriffe wie Mund- und Zahnhygiene sowie die Bedeutung von Prophylaxe und regelmäßiger Zahnreinigung nach dem Essen mit Bürste und Zahncreme den Kindern nahe gebracht.

Besonders der Ausbildung von Fachkräften, den „COHWS“ (Community Health Workers) widmeten sich Dr. Jordan und seine Mitstreiter.
Durch die Zusammenarbeit von Kindergarten und „Gambian Dental Care“ bildete sich 2007 die „Dental-Station“ im Kindergarten Wattenscheid. Betrieben und finanziert wird bis heute alles vom Kindergartenverein in Deutschland durch Patengelder, Sponsoren, Einzelspenden und Einnahmen durch Aktionen.

Seit nunmehr 10 Jahren werden inzwischen jährlich viele Hundert Kinder betreut und behandelt.
Insgesamt kommen aus mehreren befreundeten Kindergärten und Grundschulen jährlich über 3000 Kinder in den Genuss der Vorsorge und – wenn erforderlich – Kariesbehandlung.
Wie offizielle Studien belegen, hat sich der Zahnstatus bei Kindern zwischenzeitlich deutlich gebessert, was sich dann in Zukunft auch bei Erwachsenen zeigen wird.

 

Sommerfest auf der Golfrange


Am 27. August hatte die Golfrange in Dortmund-Wambel zu ihrem diesjährigen Sommerfest geladen.

Bei herrlichem Sommerwetter und angenehmen Temperaturen war der Zustrom von Besuchern recht gut. Auch das Interesse an verschiedenen Turnieren und den Schnupperkursen war groß. Anfänger, Fortgeschrittene und „Profis“, alle kamen auf ihre Kosten.


Wie in früheren Jahren gab es auch diesmal eine Tombola zugunsten des „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“. In diesem Jahr war sie besonders umfangreich. Dadurch und durch die hohe Besucherzahl fiel der Erlös und somit der Spendenbetrag erfreulich hoch aus. Dafür bedankt sich der „Gambia-Verein“ ganz herzlich.

 

Bei anderen Anlässen waren wir bei höheren Spendenbeträgen stets bemüht, das Geld für eine nachhaltige Investition einzusetzen. Diesmal soll der Betrag in die weitere Ausstattung des soeben fertiggestellten Spiel- und Lerncenters fließen.

Für das leibliche Wohl der Gäste hatte der neue Pächter der Gastronomie mit seiner Crew gesorgt. Flotte Rhythmen und musikalische Textvorträge trugen im Laufe des Nachmittags zu einer fröhlichen, fast familiären Stimmung bei.


Für die gesamte Organisation dieses Tages gilt unser Dank der Leitung der Golfrange, den Herren Glass und Kneer und ihrem Team.

Gambia aktuell – Juli 2017

Schon sehr frühzeitig kündeten in diesem Jahr erste, starke Regengüsse die nahende Regenzeit an. Sie führten dazu, dass bereits Anfang Juli an manchen Tagen weniger Kinder als sonst zum Kindergarten kamen, da Straßen und Wege teilweise tief aufgeweicht und mit großen Pfützen übersät waren.

Ende Juli war es endlich soweit. Für Schulen und Kindergärten begannen die langen „Regenzeit-Ferien“. Verwaist waren Schulhöfe und Spielplätze. Wo sonst buntes Treiben und fröhliches Lachen zu hören waren, herrschte plötzlich Stille und die Kinderstimmen waren verstummt. Bis zum 25. September dauern nun die Ferien, dann kehrt wieder Leben in die Anlagen zurück. Ein neues Schuljahr beginnt.

Wie in allen Jahren waren auch in diesem Jahr die letzten Tage und Wochen vor den Ferien gespickt mit verschiedensten Aktivitäten.
So gab es wie in anderen Jahren Sportveranstaltungen zwischen den Kindergärten und die Abschlussfeier sowie die Einweihung der Bücherei mussten vorbereitet werden.
Anfang Juni machten die Kinder der 5 Entlassungsklassen gruppenweise mit dem Kindergartenbus Ausflüge zu interessanten und sehenswerten Plätzen, um neue Eindrücke außerhalb des Kindergartens zu sammeln.

Die „neuen“ Kinder wurden angemeldet und registriert, was in der Regel sehr lebhaft und lautstark vor sich geht. Am 8. Juli war dann mit Eltern und geladene Gästen die große Entlassungsfeier für die Schulanfänger und die Einweihung der Bücherei.
Jedes Kind bekam ein Zertifikat und die Besten der Abschlussprüfungen erhielten Preise.

Ferner wurden jeweils die zwei Besten aus jeder Entlassungsklasse für die Schulförderung benannt. Seit 2013 wurden auf diese Weise 50 Kinder gefördert etwa durch die Übernahme des Schulgeldes und der Kosten für Lernmaterial. Alle waren sehr festlich gekleidet. 40 neue „Kleider“ mussten in diesem Jahr genäht werden.

Im März des Jahres waren neben zwei Praktikantinnen auch zwei „Gäste“ in Gambia, die gemeinsam u.a. Schmuck und Holzschnitzarbeiten zum Wiederverkauf in Deutschland gekauft und mitgebracht haben.

Trotz Anzeigen in Gambia haben wir bislang noch keine geeigneten weiteren Fachkräfte für unsere Dentalstation finden können. Nun hoffen wir auf Unterstützung durch der Uni Witten-Herdecke nach den Abschlussexamen zum Jahresende. Hierzu haben wir an der „Uni“ zwei entsprechende Plakate ausgehängt.

Bereits im April des Jahres gab es verschiedene Wechsel bei den Hilfskräften im Kindergarten. Eine Putzfrau und ein Gärtner mussten ersetzt werden, eine weitere Putzfrau -speziell für die Sauberkeit der Essenshalle – zusätzlich eingestellt.

Auf dem Kindergarten-Gelände selbst werden z.Zt. Reparaturen an den Gebäuden und den Spielgeräten durchgeführt. Rechtzeitig von dem Ende der Ferien am 25. September müssen dann noch mit Pinsel und Farbe die Spuren der Regenzeit beseitigt werden.

Man sieht, der Kindergarten lebt, auch wenn er in diesen Wochen oft recht verlassen wirkt.

                         

Lokal-Wechsel

Der Verein „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“ wechselt ab August 2017 sein Stammlokal.

Neuer Treffpunkt wird das „Kolpinghaus Wattenscheid“, Saarlandstraße 4 sein (nicht Kolpinghaus Höntrop).

Erstmals wird der Stammtisch an neuer Stelle am 2. August zur gewohnten Zeit ab 19.00 Uhr zusammenkommen.

Gäste sind wie immer herzlich willkommen.

„Watt 600“ – 28.6.-2.7.2017

Das große Jubiläumsfest „600 Jahre Wattenscheid“ präsentierte sich mit einem umfang- und abwechslungsreichen Programm und großem Höhenfeuerwerk am Samstag.

Eine Vielzahl gemeinnütziger Einrichtungen und Vereine sowie Anbieter sonstiger Dienstleistungen, Sportvereine und Schulen stellten sich mit Aktionen und Aufführungen vor.

Auch der Kindergartenverein war mit einem geräumigen Info-und Verkaufsstand für Holzarbeiten und Schmuck aus Gambia vertreten.
Leider spielte das Wetter nicht immer mit, was aber die Zahl der Interessierten nicht wesentlich beeinträchtigte. Die Resonanz bei Besuchern und Akteuren war überwiegend sehr positiv.

Eine gelungene Festveranstaltung mit vielen Facetten.

Vorstand bestätigt

Am 15. März hatte der Verein zur Jahreshauptversammlung geladen.
Zuvor hatte der Vorstand drei neue Mitglieder aufgenommen.
Nach einem Bericht des 1. Vorsitzenden Herrn Ruth über die zurückliegenden Monate wurde der Vorstand einstimmig entlastet und geschlossen im Amt bestätigt.
Um den Vorstand arbeitsmäßig zu entlasten wird in Zukunft die Vereinsarbeit auf breitere Füße gestellt. Hierzu wurden 4 weitere Beisitzer bestimmt.
Somit stehen dem Vorstand zukünftig 6 Beisitzer mit klar definierten Aufgaben zur Seite.

Gambia aktuell – Februar 2017

Nach aufregenden Wochen der Ungewissheit vor und nach den Wahlen in Gambia, in denen der bisherige Präsident Yahya Jammeh durch ein Oppositionsbündnis aus verschiedenen Parteien abgewählt wurde, überschlugen sich die Ereignisse.
Nach dem anfänglichen Eingeständnis seiner Niederlage folgten Erklärungen, doch im Amt bleiben zu wollen. Von Unregelmäßigkeiten bis hin zum Vorwurf des Wahlbetruges reichte die Palette seiner Anschuldigungen. Begleitet wurde alles von Drohungen und Einschüchterungsversuchen.
Das Volk aber demonstrierte und ging auf die Straße. Das Gespenst eines Bürgerkrieges erschreckte die Welt und Öffentlichkeit.
Dank der entschlossenen Reaktion der Ecowas-Staaten (Nigeria, Senegal, Mali und Guinea) bis hin zur Androhung einer Intervention zu Gunsten des gewählten Präsidenten Adama Barrow gab Jammeh auf und verließ das Land.

                

Inzwischen ist wieder eine weitgehende Normalisierung und Ruhe eingekehrt. Viele geflüchtete Gambier kehrten nach Gambia zurück.
Eine gewisse Aufbruchsstimmung macht sich allerorten bereit. Die Menschen hoffen nun auf eine bessere Zukunft. Rund 200 politische Gefangene wurden freigelassen, die Pressefreiheit wieder eingeführt und es gibt bereits erste Kontakte für eine Wiederannäherung an das Commonwealth. Schulen, Kindergärten, Banken und Behörden arbeiten wieder. Telefon und Internet sind online und die ersten Touristen kommen wieder, was für das Land lebenswichtig ist.
Der Zusatz „islamische Republik“ wurde vor dem Landesnamen wieder gestrichen.

Auch in unserem Kindergarten blieb die Zeit nicht stehen.
Das neue Ressource-Center wurde in Betrieb genommen. Es bietet zukünftig Gelegenheit mit einer z.Zt. noch ausbaufähigen Sammlung von Büchern und Spielen zur Nutzung.

                   
Noch im Bau befinden sich zwei weitere, separate Wohneinheiten zur Nutzung durch unsere Mitarbeiter gegen kleines Geld oder auch zur Vermietung. Somit kommen dann weitere Dalasi in die Kasse des Kindergartens.

Die Klassen trainieren zurzeit fleißig für das Sportfest der Schulen.

                  
Da unser Gelände durch seine Lage von den Unruhen weniger belastet war als andere Einrichtungen, konnten auch unsere zwei Praktikantinnen im Land  bleiben oder ihr Praktikum wie geplant beginnen. In diesen Tagen fliegt eine weiter Studentin nach Gambia, um dort Auslandserfahrungen und neue Eindrücke zu sammeln.

So haben die Vorkommnisse zu Beginn des Jahres wie es scheint noch ein glückliches Ende gefunden. 22 Jahre war Jammeh nach einem Putsch im Jahr 1994 mit seiner Schreckensherrschaft im Amt.
Zeit für bessere Zeiten!

Meine Zeit in Gambia vom 29.10.-02.12.2016 –
Bericht von Wiebke Mangold

Im Rahmen meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin am Universitätsklinikum Heidelberg wird uns auch ein Einsatz außerhalb des Klinikums vorgegeben. Diesen dürfen wir zum Beispiel in einer Kinderarztpraxis, einer Mutter-/Kind-Kur Einrichtung oder, wie in meinem Fall, in einem Kindergarten im Ausland absolvieren. Durch die aktuelle Flüchtlingssituation in Europa ist das Interesse an einem Einsatz in einem afrikanischen Land bei mir stark gewachsen. Über Recherchen im Internet bin ich auf den „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“ gestoßen. Ich war super glücklich und auch etwas aufgeregt, als mir recht bald tatsächlich ein Praktikumsplatz in dem westafrikanischen Land zugesagt wurde. – Da ich, um ehrlich zu sein, zu der Zeit wenig Ahnung von Afrika hatte, waren die Tipps zur Vorbereitung, seitens des Vereins in Deutschland sehr hilfreich.

Dick eingepackt, mit Winterjacke und Schal, frisch geimpft und mit viel Gepäck, ging es dann (sehr) früh morgens am Samstag, den 29. Oktober 2016 los Richtung „Abenteuer Afrika“. Gegen 17 Uhr (Ortszeit) landete ich in der Hauptstadt des kleinsten afrikanischen Festlandstaates, in Banjul. Mein erster Impuls, als ich aus dem Flugzeug stieg: „Oh, DAS ist jetzt wirklich warm, schnell die Winterjacke aus (33 Grad Celsius)“, „Das ist der Flughafen? –meine Sorge, ich würde nicht wissen, wo ich hinmuss, hatte sich mit der absoluten Überschaubarkeit des Flughafens auch schnell erledigt“. „los geht’s!“. Nachdem ich mein Gepäck wieder bei mir hatte, wurde ich in der Flughafenhalle überaus freundlich von der Schulleiterin, Hawa Sanneh, und dem Fahrer des Kindergartens, Madu, empfangen und wir fuhren los Richtung Brikama, der Stadt, in der der Kindergarten ist. Auf unserem Weg dorthin konnte ich schon viele erste Eindrücke gewinnen, die meinem Bild von Afrika teilweise entsprachen: Die sehr freundliche Art und Umgangsweise der Gambier, die super schönen bunten Kleider der gambischen Frauen, aber auch die nur teilweise asphaltierten Straßen und die einfach gebauten Häuser. Im Kindergarten angekommen, zeigte mir Hawa das Gästehaus, das sich direkt auf dem Gelände des Kindergartens befindet. Es stand schon abgepacktes Trinkwasser bereit, wofür ich sehr dankbar war. Hawa kümmerte sich auch gleich darum, dass ich mein europäisches Geld in gambische Dalasi wechseln konnte. Mein Tag ging vorbei und ich wollte nur noch schlafen.
Den nächsten Tag (Sonntag) nutzte ich zum Ankommen und Auskundschaften des Kindergartens und machte schon erste Bekanntschaften mit dem Tagwächter, der jeden Tag den Kindergarten von morgens bis abends bewacht, mit David, der als Lehrer im Kindergarten unterrichtet und mit seiner Familie auf dem Gelände des Kindergartens wohnt, und mit Doudou, dem Sohn des Zahnarztes (der Dental Station), der ebenfalls mit seiner Familie im Kindergarten wohnt.

Das Gästehaus und die große Halle:

                              

Montag, der 31.10.2016:
Mein erster Tag im Kindergarten, begann um 08:30 Uhr mit einer großen Begrüßung seitens des gesamten Teams und den Kindergartenkindern. Es wurde gebetet, gesungen und jeder Lehrer hat sich mir vorgestellt und hat mir seine Klasse gezeigt. Der Kindergarten umfasst 15 Klassen mit rund 450 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren, unterrichtet werden sie von etwa 18 Lehrkräften. Für die erste Woche war ich der Klasse „Level 1 blue“ zugeteilt, die von Fatoumata Sanneh (Manis) unterrichtet wird. Manis ist etwa in meinem Alter und wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Da in „Level 1“ die Kleinsten unterrichtet werden und wir fast wortwörtlich um ihre Aufmerksamkeit „kämpfen“ mussten, haben wir mit ihnen viel gesungen und sie dazu animiert, einzelne Sätze und Wörter, wie Familienmitglieder, Gemüse und Obst in der offiziellen Landessprache Englisch, nachzusprechen, im Chor zu singen, oder sogar schon einzelne Buchstaben zu schreiben. Es kam auch das ein oder andere Mal vor, dass ich mit den Kindern sprechen wollte und sie mich anschauten, als hätte ich gerade deutsch geredet, unser Englisch unterscheidet sich nämlich schon ziemlich in der Aussprache von dem in Gambia gesprochenen. – aber alles kein Problem, die Lehrer haben gedolmetscht!   Von Montag bis Donnerstag wird vom Kindergarten ein Frühstück für die Kinder gestellt, anschließend putzen sich die Kinder, Klasse für Klasse, selbstständig mit den im Kindergarten aufbewahrten eigenen Zahnbürsten die Zähne. Der Schultag endet um 13:30 Uhr.

Ganz überraschend aber, nicht sehr ungelegen kam am Dienstag, den 01. November für mich schon der erste „Public Holiday“ in Gambia. Ich hatte somit Zeit, auch Brikama etwas zu erkunden. Zu meinem Erstaunen kam ich sogar dazu, in einem Minimarkt in Deutschland produzierte Lebensmittel, wie Milch, Cornflakes und Haferflocken zu kaufen.
Im Laufe der Woche hatte ich mich auch langsam an die zu Anfang SEHR drückenden Temperaturen, bis zu 37 Grad Celsius, gewöhnt.

Meine erste Kindergartenwoche endete am Freitag wieder mit einem Gottesdienst und der Ansprache eines Lehrers und ein Quiz. Bei diesem Quiz, das jeden Freitag zwischen den beiden „Level 3“-Klassen angenehm spielerisch stattfindet, werden die Klassen über das Gelernte der nun vergangenen Woche abgefragt. Die Gewinnerklasse bekommt als Preis Spielzeug, das sie für eine Woche bis zum nächsten Freitag stolz als „ihres“ bezeichnen darf.

Fotos: Quiz am Freitag mit Preisübergabe

                                   

In den darauffolgenden vier Wochen besuchte ich unterschiedliche Klassen, wodurch ich Erfahrung in den stetig steigenden Ansprüchen an das Können der Kinder aller 3 Level sammeln konnte. Unterrichtsinhalte waren: Mathematik, Englisch (lesen und schreiben), und eine Art Naturkunde, wo der Körper, Tiere, Gemüse, Früchte usw. durchgenommen wurde. –  sehr unterhaltsam war, dass ich leider absolut keine Ahnung von gambischen Früchten, wie z.B. bitter tomato und okra hatte, und man mir das dann vor dem Unterricht erst mal selber beibringen musste.
Wichtig war auch die tägliche Hygiene, wie das tägliche Zähneputzen nach der Mahlzeit. Sehr beliebt bei den Kindern waren die Jolly Phonics, das sind lustige Lieder in denen die Laute der Buchstaben den Kindern nähergebracht wird.

Die Jolly Phonics und ein Plakat aus einem Klassenraum:

             

Über den Nachtwächter des Kinderdorfs Bottrop in Gambia, der auch in Brikama ist, erfuhr ich, dass dort ebenfalls gerade zwei deutsche Mädchen als Praktikantinnen arbeiteten, Anne und Hannah. Über SMS-Kontakt, trafen wir uns an einem Nachmittag und sind an den Strand gefahren. Es war ein super Gefühl, sich mal wieder auf Deutsch auszutauschen – vor allem über das Megathema der Präsidentschaftswahlen in Gambia am 01. Dezember.
Im Nachhinein bin ich fast ein bisschen stolz, dass ich bei einem so „revolutionären“ Ereignis im Land war. Schon Wochen vor der Wahl wurde heiß diskutiert, wie sie wohl ausgehen würde. Das gambische Volk war, soweit ich das beurteilen konnte, nach 22 Jahren Diktatur entschlossen, Präsident Yahya Jammeh abzuwählen. Sehr spannend war die Situation, als bereits drei Tage vor der Wahl, ohne Ankündigung, das Internet im Land abgeschaltet wurde. Außerdem konnte ich weder zu meinen Eltern nach Deutschland noch innerhalb Gambias telefonieren. Als dann aber am Freitag, den 02. Dezember bekannt gegeben wurde, dass der Oppositionskandidat Adama Barrow tatsächlich die Präsidentschaftswahlen gewonnen hatte, wurde überall erleichtert aufgeatmet und die Menschen sind auf die Straße gestürmt und haben Musik gemacht und sich so sehr gefreut! Was für ein herrliches Ende meiner Afrikareise, denn der 02. Dezember war gleichzeitig auch mein letzter Tag in Gambia.

20-Jährige hilft Kindern in Afrika

Die 20-jährige Deutsche übt in der Klasse mit den Kleinen: hier wird gerade gemalt. Konzentriert gucken die gambianischen Mädchen hin und machen mit.

Wiebke Mangold will Kinderkrankenschwester werden und hat dafür ein fünfwöchiges Praktikum im Kindergarten Wattenscheid in Gambia absolviert.
Der lange, angespitzte Bleistift wirkt fast zu groß in der kleinen Mädchenhand. „Zahlen malen“ heißt es im Unterricht der ersten Klasse im „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“. Heute ist die „2“ dran. Trotz voller Konzentration der Vierjährigen will der Stift der Vorlage kaum folgen, aber „Lehrerin“ Wiebke hilft geduldig. Wobei die 20-Jährige gar keine Pädagogin ist – sie arbeitet als Praktikantin für das Schulprojekt im westafrikanischen Kleinstaat.

Wiebke Mangold aus Heidelberg möchte Kinderkrankenschwester werden, hat für ihren Ausbildungsweg ein fünfwöchiges Auslandspraktikum gewählt und ist über das Internet auf die Vorschule, die seit mehr als 35 Jahren ihre feste Wurzeln in der Hellwegstadt hat, aufmerksam geworden. Seit Ende Oktober hat sie vor Ort jede Menge Erfahrungen gemacht. „Ich bin das erste Mal in Afrika, klar, etwas Skepsis war schon da. Vieles hatte ich mir anders vorgestellt, aber ich war total überrascht, wie freundlich und offen die Menschen in Gambia sind!“

Ein Mitarbeiter der Dentalstation der Uni Witten/Herdecke, mit dem der Kindergarten WAT auf demselben Grundstück gemeinsam agiert, habe sie quasi „adoptiert und überall hin mitgenommen. Auch zu Familien, deren Angehörige auf dem so genannten backway, dem Weg, der Flucht aus sozialen Missständen nach Europa sind. Viele dieser jungen Menschen hoffen dort wohl auf eine kleine Chance, Geld nach Gambia schicken zu können, damit es die Familie hier leichter hat, den Alltag stemmen zu können.“ Das ist schwer angesichts der Preise, die seit Jahren ständig steigen – die Einkommen sind minimal geblieben. Ein Liter Autobenzin kostet aktuell so viel wie in Deutschland. „Ich war auch bei Familien zu Gast, deren Angehörige auf dem backway gestorben sind, das ist so heftig und macht sehr traurig.“

Denkanstoß für die eigene Zukunft
Jeder Tag in Gambia, sagt Wiebke, sei abwechslungsreich und besonders, „das erdet mich.“ Der Alltag in Gambia ist nicht immer so unterhaltsam und fröhlich wie mit den Kleinen aus der ersten Kindergarten-Klasse zu üben, zu singen oder zu malen. Zwei ihrer neuen Bekannten hatten einen schweren Verkehrsunfall, „das Geld für das Röntgen der Verletzungen konnten sie nicht bezahlen“. Die 20-Jährige hat dazu in ihre Reisekasse gegriffen und hofft, dass die jetzt mögliche ärztliche Behandlung zum guten Ende führt. Was Wiebke Mangold einen neuen Denkanstoß für ihre eigen Zukunft gegeben hat: „Zurückkehren nach Gambia als Kinderkrankenschwester.“

Bericht und Bild von Rolf Schulte

Weihnachten 2016

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und viele gute Wünsche für ein hoffentlich ruhigeres und friedlicheres Jahr 2017 wünscht der Kindergarten Wattenscheid in Gambia.
Wir danken allen Paten, Sponsoren und Spendern für ihre so wichtige Unterstützung, ohne die in Gambia nichts so wäre wie es ist.
Dank sagen auch alle 450 Kinder und die Mitarbeiter in Gambia.